Angehörigenforum

Fachliche Informationen für Angehörige von pflegebedürftigen Senioren

Das Angehörigen-Forum der AWO in Bayern

Informationen für Angehörige

Angehörige von Pflegebedürftigen spielen in der stationären Altenhilfe eine hoch bedeutsame Rolle: Sie sind oftmals die wichtigsten Bezugspersonen für die Bewohnerinnen und Bewohner; sie sind, wenn Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Interessen zu vertreten, meist die primären Ansprechpartner für die stationäre Einrichtung; sie können Betreuungsaufgaben übernehmen und damit ihre pflegebedürftigen Angehörigen, aber auch das Personal der stationären Einrichtung unterstützen; und sie machen mit ihrer Präsenz einen Teil des Lebens aus, das im Seniorenzentrum tagtäglich stattfindet.

Angehörige von Pflegebedürftigen sind aber auch mit hohen Anforderungen konfrontiert, die sich für sie aus ihrer neuen Lebenssituation ergeben: Sie müssen mit einer psychisch belastenden Situation zurecht kommen; sie müssen ihre eigene Lebensführung auf die neue Situation einstellen; sie müssen sich mit Krankheitsbildern, mit verändertem Verhalten ihrer Angehörigen und mit Aufgaben der Betreuung und Pflege auseinandersetzen, für die sie in der Regel nicht qualifiziert sind.

Das Forschungs- und Gestaltungsprojekt „PiA – Professionalisierung interaktiver Arbeit“ – an dem sich die AWO Bezirksverband Oberbayern mit drei Seniorenzentren beteiligte - hat sich u.a. mit der Situation von Angehörigen Pflegebedürftiger in Seniorenzentren befasst. Eine zentrale Frage des Projektes war, wie sich Angehörige von Bewohnerinnen und Bewohnern selbst sehen und welche Beiträge Einrichtungen bzw. Träger von Einrichtungen leisten können, das Miteinander von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern.

 Wie die Angehörigen ihre eigene Situation sehen:

  • Besonders schwierig ist die erste Zeit in der Einrichtung. Man ist sich möglicherweise noch nicht sicher, ob es der richtige Schritt war – und man lernt eine fremde Einrichtung, eine eigene Welt kennen. Angehörige befinden sich damit in einer typischen Situation, die sie mit vielen anderen Angehörigen teilen – aber sie müssen jeweils sehr individuell mit dieser Situation zurechtkommen.
  • Angehörige haben einen hohen Bedarf an Unterstützung und an Information. Wenn es um Informationen zum Thema Demenz geht, haben sich Beratungsleistungen durch die Alzheimer-Gesellschaft bewährt. Trotzdem bleiben Angehörige immer noch zu sehr auf sich allein gestellt. Und sie müssen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammentragen, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen. So können ihnen bspw. Ärzte zwar etwas zu Krankheitsbildern sagen – nicht aber dazu, welche stationäre Einrichtung als neues Zuhause am besten geeignet wäre.
  • Manche der Angehörigen haben sich intensiv mit dem Krankheitsbild ihrer Angehörigen – etwa mit dementiellen Erkrankungen – befasst. Offenkundig kann dies zu einem besseren Verständnis der Situation beitragen, die eigene Handlungssicherheit stärken, dazu verhelfen über die eigene individuelle Betroffenheit hinaus zu kommen und zu einem besseren Verständnis für die Handlungsweisen der professionellen Pflegekräfte führen. Fachwissen kann dazu beitragen, eine gewisse Distanz zu entwickeln und sich nicht völlig von einer belastenden Situation vereinnahmen zu lassen.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Projektes PiA lässt sich festhalten: Es sollte versucht werden, Angehörige dazu zu befähigen,

  • den Kontakt zu ihren pflegebedürftigen Angehörigen auch dann aufrecht zu erhalten, wenn sie in einer stationären Einrichtung leben;
  • mit der Einrichtung und den dort anwesenden Personengruppen vertraut zu werden;
  • bei allem Engagement auch das eigene Wohlergehen nicht zu vernachlässigen;
  • und sich Wissen über Krankheitsbilder und professionelle stationäre Betreuung anzueignen.

Das Angehörigen-Forum will vor allem zu der letztgenannten Zielsetzung einen Beitrag leisten. Das Angehörigen-Forum will Angehörigen den Zugang zu pflegefachlichem Wissen eröffnen und greift dazu verschiedene relevante Themenkomplexe auf und stellt diese leicht zugänglich zur Verfügung.

Dabei kann es nicht darum gehen, aus Angehörigen Pflegefachkräfte zu machen. Sondern es soll Angehörigen Orientierungen zu Fragen gegeben werden, die sie beschäftigen. Wenn Angehörige besser verstehen können, was es mit der Pflegebedürftigkeit bei bestimmten Krankheitsbildern auf sich hat und über welche Möglichkeiten die stationäre Altenhilfe verfügt, kann dies allen Beteiligten nützen: Die Angehörigen selbst gewinnen an Handlungssicherheit; das Seniorenzentrum gewinnt kompetente Kooperationspartner; und von einer verständnisvollen Kooperation zwischen Fachpersonal und Angehörigen werden letztlich auch die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren.

Das Angehörigen-Forum wählt unterschiedliche Informationskanäle: Mit ihrem Internetauftritt berücksichtigt es, dass es mittlerweile zur Normalität geworden ist, sich per Internetrecherche zu informieren. Mit seinen Informationsveranstaltungen in den Seniorenzentren setzt es einen Anreiz dafür, dass Angehörige in die Einrichtungen gehen; und es schafft die Möglichkeit, dass sich Angehörige über ihre Situation intensiver austauschen, als dies bislang üblich gewesen ist.